24 - Live Another Day

24 - Live Another Day: Interview mit Kiefer Sutherland

"Alles ist möglich bei 24"

Das behauptet zumindest Kiefer Sutherland im Interview zur neuen Staffel "24 - Live Another Day". Eine Sache wird seine Rolle Jack Bauer allerdings wohl nicht lernen: Geige spielen! Was es damit auf sich hat und welche interessante Fakten der Darsteller noch preisgibt, lest selbst!

Als Sie das Angebot bekamen, eine neue Staffel zu drehen, waren Sie sofort dafür oder hätten Sie sich vorstellen können, die Rolle an einen anderen Darsteller abzugeben?

"Naja, so ist das nicht abgelaufen. Es wurde mir im Grunde nicht angeboten. Der Produzent Howard Gordon rief mich an und sagte: 'Ich habe eine wirklich interessante Idee für einen Handlungsbogen über zwölf Episoden. Würdest du überhaupt in Betracht ziehen, mitzumachen?' Und ich antwortete: 'Wenn du von der Story wirklich überzeugt bist, würde ich sie liebend gerne umsetzen.' Unsere Unterhaltung und meine Zustimmung benötigte also nicht länger als ca. fünf Minuten."

Wie war es für Sie, sich so lange mit ein- und demselben Charakter identifizieren zu müssen?

"Für mich war es die größte Herausforderung meiner Schauspielkarriere. Anstatt von einem Film zum nächsten überzugehen und zu glauben, dass eine neue Haarfarbe schon ein dramatisches Statement wäre, hatte ich Gelegenheit, jedes noch so kleine Detail meiner Figur zu entwickeln. Dadurch habe ich mehr über meinen Job gelernt als je zuvor. Wenn mich also jemand auf der Straße 'Jack' nennt – okay!"

Wie hat sich Jack verändert?

"Er ist härter geworden. Ich denke, er durchlief eine natürliche Evolution seit der ersten Staffel. Als Vorbereitung auf die neuen Folgen habe ich mir den Anfang der Serie noch einmal angesehen. In der allerersten Episode gab es eine Szene, in der Jack und seine Frau Teri (Leslie Hope) in der Küche geredet haben – ohne zu wissen, dass ihre Tochter bald entführt werden würde. Jack war damals dieser nette Kerl, der einfach ein paar Familienprobleme lösen wollte. In der zweiten Staffel hatte er seine Frau verloren und man sieht ihn bewusstlos auf der Couch liegen, mit einer leeren Flasche auf dem Boden. Danach wurde es nur noch schlimmer. Dieses Jahr hat er sich völlig von seinem Land und seiner Familie entfremdet. Er wird wie ein Krimineller behandelt, musste sich vier Jahre lang verstecken. Er traut niemandem – und er ist bereit, seine Mission, welche die Staffel erst ins Rollen bringt, zu erfüllen.

Eine der interessanten Herausforderungen in dieser Staffel ist es, zu beobachten, welchen Einfluss Chloe und einige der Handlungsstränge auf ihn haben werden. Mit Audreys (Kim Raver) Rückkehr beginnt er, von einem steinharten Kerl in ein Häufchen Sand zu zerbröckeln. Für einen Schauspieler ist es sehr interessant, so etwas zu spielen."

Die neunte Staffel spielt in London. Jack ist also außerhalb seiner Heimat – und das prägt die Menschen oft am meisten. Werden wir das auch bei ihm merken?

"Absolut. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum er so stark ist. Seine Hoffnung, irgendwann zurückzukehren, ist nicht-existent. Genauso wenig wie die Hoffnung, seine Tochter irgendwann wiederzusehen. Man hat es also mit einem Mann zu tun, der absolut nichts zu verlieren hat. Und trotzdem fühlt er sich dazu verpflichtet, seine Mission zu erfüllen. Er ist hochmotiviert, stinksauer und allein. Aber er hängt nicht an der Flasche (lacht)."

Bleibt "24" noch immer so aktuell, wie in früheren Staffeln?

"Absolut! Wir behandeln Themen von US-Drohnen oder Foltermethoden, bis hin zur Schuldfähigkeit von Leuten, die für die Regierung arbeiten. Es gibt sogar einen Julian Assange-Typen, der vertrauliche Informationen leakt. Genaugenommen ist Jack Bauer ein apolitischer Charakter. Er tut, was er zu tun hat, um eine bestimmte Situation zu retten, während um ihn herum eine politische Diskussion stattfindet: Die Regierung versucht zu begründen, warum wir Drohnen brauchen. Gleichzeitig wird es eine Figur geben, die beweisen will, warum Drohnen das Schlimmste auf dieser Welt sind. Das ist es, was mir an '24' so gut gefällt: Die Zuschauer entscheiden sich im Kontext der Show für eine Sichtweise und nehmen an der Diskussion teil. Ich finde es großartig, wenn eine Serie so etwas schafft."

Hat sich durch den Dreh in London viel für die Serie verändert?

"Es ist sehr viel einfacher, einen Tee zu bekommen – und sehr viel teurer einen Kaffee zu trinken (lacht). Die Story verändert sich, weil man sich nicht auf seinem Territorium befindet – und das hat politische Konsequenzen: Der US-Präsident hat nicht den gleichen Einfluss. Und ein Problem der US-Regierung wird schlimme Auswirkungen für die britische Bevölkerung haben. Das führt für uns zu einer dynamischen Verschiebung und der Zuschauer bekommt Einsicht in internationale Politik. Ich finde diese Angelegenheiten sehr faszinierend und unsere Show wird davon profitieren – nicht nur in Hinblick auf unsere Dramatik."

Wissen Sie, wie die Serie enden wird?

"Keiner von uns weiß das. Nicht einmal die Autoren. Es gibt ein Ziel, auf das sie zusteuern, ein Szenario, das wir noch nicht einmal ansatzweise erreicht haben. Es ist jedes Mal so: Sie schreiben zwei Folgen und wir beginnen mit dem Dreh. Daraus holen sie sich neue Inspiration und schreiben die Episoden drei und vier. Für Produzenten und Darsteller ist es die Hölle – aber so läuft das. Und ich danke ihnen dafür."

Besteht also die Möglichkeit, dass "24" auch nach dieser Staffel irgendwann zurückkehrt?

"Alles ist möglich. Wir lieben diese Show. Wenn wir unsere zwölf Episoden erfolgreich machen und dadurch Potential für einen Film entsteht – großartig. Wenn sie der Serie ein Reboot geben, bin ich dafür auch offen. Allerdings werden wir nicht versuchen, etwas anderes aus '24' zu machen. Jack Bauer wird niemals Geige spielen lernen."

Kommentare

Facebook