Extreme mit Niels-Peter Jensen

"Zu meiner aktiven Zeit war Angst mein täglicher Begleiter." - Niels-Peter Jensen

Niels-Peter Jensen im Interview

Der gebürtige Hamburger (*10.06.1974) ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Mountain-Biker der Welt. Das frühere Nutella-Testimonial war Deutschlands erster Extrem-Biker und wurde auf dem Mountainbike Europameister und Vizeweltmeister. Der Vater von vier Kindern lebt für den Extremsport und beteiligt sich immer wieder an neuen und spannenden Projekten. So gründete er sein eigenes Label und Design Agentur (NPJ DESIGNS), produzierte eigene Mountainbikes (NPJ-Dirtbikes) und fuhr mit David Hasselhoff im originalen Knight Rider-Auto quer durch die USA.

Seit 2015 steht Niels-Peter Jensen mit seinen eigenen TV Formaten, „ManMade“ und „Extreme“ für ProSieben MAXX vor der Kamera.

© Denise van Deesen ProSieben MAXX

Für „Extreme“ tunst Du ein Fahrrad mit Raketenantrieb und landest mit einem Fallschirm auf einem fahrenden Lastwagen. Wieso hast Du dich dem Extremsport so verschrieben?

Ich war 20 Jahre erfolgreicher Extremsportler und habe in dieser Zeit viel erlebt: sportlich wie auch menschlich. Ich liebe Herausforderungen und es pusht mich, wenn Leute sagen „das geht auf keinen Fall“. In meiner neuen Sendung werde ich an meine Grenzen stoßen. Das ist auch der Grund, warum ich die Sendung mache. Ich will über meine Grenzen hinausgehen und mich in Situationen begeben, die ich in dieser Art noch nicht kennengelernt habe.

Wo liegen denn deine Grenzen?

Da fällt mir als erstes meine Höhenangst ein. Schon bei geringer Höhe, wird es wirklich schwer für mich. Wenn ich irgendwo an einem Abgrund runter blicke, dann wird mir schlecht. Da muss mich echt überwinden. Für „Extreme“ will ich aber in der Luft über einen Steg von einem Heißluftballon zu einem anderen laufen. Außerdem werde ich mit dem Fahrrad über ein Hochhaus springen. Vor diesen Aufgaben habe ich echt Bammel! Aber auch mit einem Snowmobile mit knapp 100 km/h auf einen See zu fahren, um ihn zu überqueren, ist schon eine Sache, wo mein Verstand sagt, mach das bloß nicht. In meiner Sendung muss ich mich in jeder Folge mit dem Gefühl der Angst auseinandersetzen und versuchen mich mit ihr zu einigen. Es gibt da kein klares Konzept, jede Aktion sorgt für ein anderes Gefühl der Angst. Aber ich werde zeigen und beweisen, dass es geht.

Und wie überwindest Du konkret die Angst, wenn sie mal aufkommt?

Als Extremsportler bist du immer mit dem Thema Angst im nahen Kontakt. Zu meiner aktiven Zeit war es mein täglicher Begleiter. Es gibt eine Situation, die ich nie vergessen werde: Ich bin bei einem Fotoshooting in Italien am Gardasee eine Klippe runter gestürzt. Es ging da knapp 60 Meter in die Tiefe, ich hatte aber extremes Glück und konnte mich an einem Busch festhalten, der aus der Felswand ragte. Noch nie hatte ich solche Angstgefühle und war dem Tod so nah. Nachdem man mich gerettet hatte, wollten alle das Shooting abbrechen. Ich musste aber die Passage noch einmal mit Vollgas fahren, denn ich wusste, wenn ich jetzt so ins Hotel fahre, werde ich immer an ähnlichen Stellen Angst haben und es wird mich mein Leben lang verfolgen. Ich habe mir dann alles noch einmal in Ruhe angesehen und bin die Passage noch mal gefahren und war noch schneller. Generell versuche ich mich vor einem Stunt mit der Situation intensiv auseinander zu setzen und mir die Aktion, die ich plane, bildlich vorzustellen. Dann gehe ich im Kopf den Stunt durch und bedenke, wie er im besten Fall verläuft. Angst ist für mich gar nichts Negatives, sondern vielmehr ein Warnsignal. Angst beschützt uns und hilft uns fokussiert zu sein, und das auch schon in der Planung.

In der Sendung geht es aber nicht nur um Extremsport, sondern auch um physikalische Zusammenhänge. Du willst dem Zuschauer einen Einblick in die Welt der Extreme liefern.

Das stimmt. Physik war während der Schulzeit eigentlich das Fach, was ich am wenigsten mochte. Ich habe mir allerdings während meiner Laufbahn einiges an Wissen angeeignet. Ich kann so viele Erfahrungen miteinander kombinieren und weiß in extremen Situation, was ich zu tun habe. Wenn ich eine Sache plane, dann sehe ich mir alles in Ruhe an und taste mich langsam heran. Ein Beispiel wäre die „Snowmobile-Wasserüberquerung“. Ein Snowmobile wiegt knapp 300kg, hat vorne Kufen, hinten einen Kettenantrieb, ähnlich wie bei einer Pistenraupe und gehört in den Schnee und definitiv nicht ins oder aufs Wasser. Ich erkläre und zeige aber, wie man es schafft, mit einen Snowmobile über einen See zu fahren, ohne das Snowmobile auf dem Grund zu versenken.

Was würdest Du persönlich eigentlich als „extrem“ bezeichnen?

Das ist eine sehr schwierige Frage für mich. Ich habe schon als Kind Dinge gemacht, die andere Kinder nicht gemacht haben. Einmal habe ich ein U-Boot gebaut und wollte meinen jüngeren Bruder für die Testfahrt in den Kanal lassen, als meine Eltern mich glücklicherweise kurz vorher davon abgehalten haben. Meine Familie kann viele solcher Geschichten erzählen. Das extremste Erlebnis meines Lebens hatte ich gleich vier Mal: die Geburten meiner Kinder! Vater zu sein und diese vier wunderbaren Menschen begleiten zu dürfen ist das Erlebnis, das mich am meisten herausfordert und mich auch am meisten persönlich entwickelt. Diese kleinen besonderen Augenblicke, die dir diese kleinen Menschen täglich schenken. Das ist wirklich Extreme und nicht zu beschreiben!

Zum Extremsport gehören leider auch Verletzungen und Stürze dazu. Wie hast Du das in deiner aktiven Zeit erlebt?

Ja, das gehört leider dazu. Das war auch prägend für meine persönliche Entwicklung. So hatte ich immer wieder Verletzungen und sportliche Niederlagen, die ich wegstecken musste. Manchmal musste ich ganz vorne anfangen und konnte mich erst mit harter Arbeit wieder nach vorne kämpfen. Ich hatte in meiner Sportkarriere unzählige Verletzungen. Am schlimmsten hatte es mich bei einem World Cup Lauf in Kaprun erwischt. Es gab da einen knapp 14 Meter langen Sprung. Keiner hatte sich getraut den zu springen. Ich dachte mir, wenn ich den als einziger Fahrer springe, könnte ich den World Cup gewinnen. Dann bin ich mit Vollgas auf den Kicker zu gefahren, aber dann in meinem Eifer eine Radlänge zu weit gesprungen. Mir ist das Bike in der Mitte durchgebrochen und ich landete mit 7 gebrochenen Rippen, gebrochener Schulter, Bänderriss und einer sehr schweren Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Die ersten zwei Wochen im Krankenhaus habe ich nicht mitbekommen, da fehlt mir alles: kompletter Black Out. Damals waren solche Zeiten furchtbar, aber heute bin ich extrem froh, dass ich das alles erleben durfte. Es hat mir gezeigt, was der Kopf und Geist alles leisten kann, wenn man nicht aufgibt.

War Fußball, Handball oder Leichtathletik als Kind eigentlich gar nicht interessant für Dich?

Ich habe als Kind mal Fußball gespielt. Es war nett mit anderen zu kicken. Mein Problem war aber immer dasselbe: Wenn du dich super vorbereitest und extrem motiviert bist, der Rest der Mannschaft aber nicht, dann wirst du verlieren. Das ist bitter und enttäuschend. Ich habe mich irgendwann entschlossen einen Sport zu machen, bei dem ich alleine für meine Erfolge und Niederlagen verantwortlich bin. Ich mag keine Abhängigkeit! Außerdem bin ich kein Mainstream Typ. Ich liebe es, meine Wege zu gehen und nicht die vorgegebenen Wege der Gesellschaft.

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