ManMade

Niels-Peter Jensen im Interview

"Es ist wichtiger, den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, als ein fettes Bike zu haben"

Niels-Peter Jensen ist Abenteuer, Bastler, Motorradfan, Unternehmer, stolzer Vater, führt ein eigenes Klamottenlabel ... und muss im Kino fast immer heulen. Im Interview erzählt er uns der professionelle ganze Kerl von seinen schönsten und abgefahrensten Aktionen und was er in "ManMade" vor hat.

ManMade_Jensen_Interview

Früher warst du erfolgreicher Extrem-Mountainbiker, unter anderem Europa-Meister 2009, heute entwickelst du unter deinem Label NPJ Designs Motorräder und Accessories. Sie sehen aus wie richtig große Maschinen im Stil der 1960er Jahre, haben aber Moped-Motoren und fahren keine 100 km/h. Wie wird man vom Mountainbike-Profi zum Designer und Mechaniker?

Niels-Peter Jensen: Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für alles, was zwei Räder hat – egal ob mit oder ohne Motor. Schon während meiner Laufbahn als Profi-Mountainbiker habe ich immer wieder Sachen entworfen und bauen lassen. Immer, wenn ich etwas entdeckt habe, das ich nicht gut fand, wollte ich es verbessern. Nach 20 Jahren als Mountainbike-Profi hatte ich alle Ziele erreicht und war an dem Punkt, an dem etwas Neues kommen musste. Ich fuhr nach Berlin zur Berlinale und saß dort in einer Bar mit Freunden zusammen. Nach ein paar Getränken kamen wir darauf, jeder auf einem Bierdeckel zehn Sachen zu notieren, die er in seinem Leben noch unbedingt erleben will. Ein Abenteuer stand bei allen auf dem Bierdeckel: Einmal mit der Harley durch die USA fahren. Nur leider hatte keiner von uns einen Motorradführerschein. Die Lösung des Problems: Mopeds, mit denen man das „Easy Rider“-Gefühl auch ohne Motorrad-Führerschein erleben kann. Wir bauten für uns solche Maschinen und gründeten 2012 die Firma Liberta.

Warum macht Dir das „Schrauben“ so viel Spaß?

Niels-Peter Jensen: Ich finde es toll, wenn du Zeit und Mühe in etwas Altes, Vergammeltes investierst, und daraus etwas tolles Neues wird. Du erweckst das Teil zu neuem Leben, gleichzeitig hat es aber auch eine Geschichte. Die Sachen sind dann wirklich selbst gebaut, sie gibt’s nur ein einziges Mal auf der Welt. Es macht Spaß, aus etwas, das für Andere Schrott ist, etwas zu machen, von dem alle begeistert sind. Wenn jemand sagt, dass etwas unmöglich ist, beweise ich unglaublich gern das Gegenteil. Das war schon als Sportler mein Antrieb: Wenn alle gesagt haben, ein Trick sei unmöglich, wollte ich zeigen, dass es doch geht.

 In der Motorrad-Szene erntest Du mit Deinen außergewöhnlichen Bikes bestimmt den einen oder anderen schrägen Blick. Gibt es viele Leute, die Dich und Deine Idee nicht ernst nehmen?

Niels-Peter Jensen: Anfangs haben alle über unsere Idee gelacht. In der Bikeszene muss es für viele immer größer, stärker, härter sein. Sie vergessen, dass es auf diesem Planeten viele Menschen ohne Motorradführerschein gibt, die sich auch nach einem Gefühl von Freiheit sehnen. Denen ist es wichtiger, den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, als ein fettes Bike zu haben. Kurz gesagt: Zuerst haben die Leute über uns gelacht, dann wurden wir sehr schnell akzeptiert und auf der letzten Messe kamen plötzlich ganz viele auf uns zu, die an einer Zusammenarbeit interessiert waren.

Du bist Ideengeber und Gründer einer eigenen Motorradfirma und besitzt das Klamotten-Label „NPJ Clothing“, bist außerdem Vater von vier Kindern. Nach Langeweile klingt das nicht. Warum hast Du Dich entschieden, „ManMade“ zu machen?

Niels-Peter Jensen: Auf meinen Reisen hat es mich schon immer gereizt, meine Erlebnisse festzuhalten, am liebsten auf Video. Ich finde die Idee toll, in bewegten Bildern zu zeigen, dass man viele Dinge machen kann, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. Schon lange war es ein großer Wunsch von mir, eine Fernsehsendung zu machen. Dass es jetzt klappt, ist ein schöner Zufall. Angst, dass es zu viel wird, habe ich nicht. Ich brauche es, dass viele Sachen um mich herum passieren, sonst fühle ich mich unwohl. Zum Glück habe ich eine Vereinbarung, dass meine Tage mehr als 24 Stunden haben …  

 Für „ManMade“ triffst Du Menschen, die genau wie Du einzigartige Ideen in Handarbeit selbst verwirklichen. Gibt es etwas, das Dich dabei besonders beeindruckt hat?

Niels-Peter Jensen: Sehr beeindruckt hat mich, wie Oliver von „Gliding Wood“ Surfbretter ganz aus Holz baut. Vorher habe ich gedacht, das geht nicht. Ich bewundere es, wenn Menschen von modernen Materialien wie Plastik weggehen und sich auf uralte Techniken besinnen. Und noch etwas fand ich unglaublich: Die Holz-Surfbretter nach der Technik von „Gliding Wood“ kann jeder bauen! Ebenfalls sehr beeindruckt hat mich, wie man bei der Lackiertechnik Pinstriping gerade Linien mit der Hand zeichnet. Vorher dachte ich, das kann nicht gehen. Und dann ist es sogar mir gelungen!

Du warst ein Vorreiter des Extrem-Mountainbikings und bist als MTB-Profi um die ganze Welt gereist. Was war das Verrückteste, das Du in deinem Leben bisher gemacht hast?

Niels-Peter Jensen: Ich bin 2008 zusammen mit David Hasselhoff im Original-Knightrider-Auto quer durch die USA gefahren. Anschließend haben wir den Wagen per Flugzeug nach Nordkorea gebracht und sind dann nach Peking zu den Olympischen Spielen gefahren. Abschluss des Trips war ein Wettbewerb mit ein paar Jackass-Darstellern: Wer schafft es am schnellsten vom Hotelzimmer auf seinen Sitz im Stadion? Total abgefahren! Das Ganze war eine Aktion zum 10-jährigen Jubiläum der „Gumball“-Rally, einem total verrückten Autorennen.

 Hast Du weitere Projekte, die Du demnächst verwirklichen willst?

Niels-Peter Jensen: Im Mai will ich mit unserem kleinsten, leichtesten Chopper auf einer der härtesten Straßen der Welt das Amazonasgebiet durchqueren. Das wird eine große Herausforderung!

Extrem-Mountainbiker und Motorrad-Schrauber, das klingt nach einem richtig harten Kerl … Aber irgendwo hat doch jeder auch eine weiche Seite. Was ist das bei Dir?

Niels-Peter Jensen: Ich liebe es ins Kino zu gehen, habe dabei aber ein Problem: Es gibt kaum Filme, wo ich nicht anfange zu heulen. Außerdem bin ich eher der Haushaltstyp, arbeite sehr gern im Garten, liebe Aufräumen, Staubsaugen und Spülmaschine ausräumen. Das finde ich total entspannend!

Was ist Dein Lebensmotto?

Niels-Peter Jensen: Lebe deine Träume! Alles im Leben ist möglich, wenn Du daran glaubst! Ich habe schon oft gezeigt, dass es funktioniert. Wenn ich eine Idee im Kopf habe, kann ich sie nicht vergessen, bis ich sie verwirklicht habe. So habe ich Sony überredet, ein Playstation-Spiel mit mir zu machen. Und von Suzuki habe ich mein eigenes Jeep-Modell bekommen.

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