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Spice & Wolf 

Europa als exotischer Ort? Irgendwie schon für "Spice & Wolf"-Erfinder Isuna Hasekura. Er gab in einem Interview an, dass ihm die japanische Vergangenheit einfach zu dunkel und nicht inspirierend genug gewesen sei. Darüber hinaus sei ihm die Geschichte des eigenen Landes zu nah gewesen, als dass er sie als kreative Herausforderung begriffen hätte. Die europäische Kultur im Mittelalter hingegen habe bei ihm Assoziationen wie Schwerter, Klingen-arbeit, Zauberei und Drachen geweckt. Es sei eine Gegend der Fantasie gewesen. Daher setzte er seine Geschichte über eine vergessene Göttin (das klingt wieder sehr japanisch) ins europäische Mittelalter. 

In der Fantasy-Reihe "Spice & Wolf" geht es um den 25-jährigen reisenden Händler Kraft Lawrence, der eines Tages der hochmütigen Wolfsgöttin Holo begegnet, an die kaum noch einer glaubt. Sie besitzt, abgesehen von ihrem wolfsähnlichen Schwanz und den Ohren, die Gestalt eines 15-jährigen Mädchens und möchte in ihr nördliches Heimatland zurückkehren. Sie beschließt, Lawrence zu begleiten und ist diesem aufgrund ihres Instinkts und ihrer Klugheit bei seinen Geschäften äußerst nützlich. Die größer werdenden Einnahmen wecken jedoch auch das Interesse der Kirche, die den beiden immer wieder in die Quere zu kommen versucht. Zudem stoßen die beiden Protagonisten auf Fälscherei und Korruption. 

Attack on Titan 

Action, Horror und Fantasy – all das bietet die Serie "Attack on Titan", vom japanischen Zeichner Hajime Isayama. Eren Jäger und seine Freunde leben hier in Städten, die von riesigen Mauern umgeben werden, um die Menschheit vor den Attacken gigantischer Titanen zu schützen. Diese kennen scheinbar nur das Ziel, möglichst viele Menschen zu verschlingen.  

 

Als Deutscher reibt man sich verwundert die Augen, wie viele Referenzen es zum eigenen Land gibt. Bereits Teile des Openings der Anime-Serie, die seit 2013 ausgestrahlt wird, sind auf Deutsch, die Charaktere tragen deutsche (und englische) Vor- und Nachnamen sowie westliche Frisuren und Kleidung. Bemerkenswert ist auch der Umstand, dass Gebäude wie Fachwerkhäuser oder Bauernhöfe an deutsche Mittelalterbauten angelehnt sind. Isayama, dem man ein besonderes Interesse an deutscher Kultur nachsagt, hat sich dabei an bayerischen Städten orientiert. Der Bezirk Shiganshina mit seinen engen Häuserschlichten, breiten Mauern, Toren und Türmen basiert sogar explizit auf Nördlingen, das heute als einzige deutsche Stadt noch eine vollständig erhaltene Mauer besitzt. 

Princess Tutu 

Während die Lieblingsspeise der Titanen Menschen sind, scheint Nördlingen wiederum ein gefundenes Fressen für Mangaka zu sein. Die Stadt mit dem bekannten Deininger Tor und einigen anderen älteren Gebäuden diente als Vorlage für Kinkan, dem Schauplatz der Serie "Princess Tutu" von Ikuko Itou aus den Jahren 2002 und 2003. Orte in Nürnberg und München sowie das allgäuische Schloss Hohenschwangau sind in der Serie ebenso wiederzuerkennen. Zudem besitzen einige Charaktere deutschklingende Namen. 

Im Anime muss die Märchengestalt Ahiru das zersprungene Herz eines Prinzen wieder zusammenfügen und sich dabei gegen eine Monsterkrähe behaupten. 

Fullmetal Alchemist 

Das Land Amestris, das Hauptschauplatz des Anime "Fullmetal Alchemist" ist, erinnert architektonisch in vielerlei Hinsicht an europäische Städte des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Vorbild diente vor allem das industrialisierte England. Der Abschlussfilm "Fullmetal Alchemist "Der Eroberer von Shamballa" aus dem Jahr 2005 spielt aus Sicht der Almestrier in einer Parallelwelt – das facettenreiche München des Jahres 1923, in dem die Nazis um Adolf Hitler ihren ersten Staatsstreich planen und als Bewegung zu wachsen beginnen.  

In "Fullmetal Alchmesist" regiert die Alchemie und sie folgt naturwissenschaftlichen Gesetzen. Die Brüder Edward und Alphonse haben bei ihrer verbotenen Transmutation, mit der sie ihre Mutter von den Toten zurückholen wollten einen hohen Preis zahlen müssen: Edward verlor einen Arm und ein Bein, Alphonse sogar seinen ganzen Körper. Seine Seele konnte in eine Ritterrüstung gebannt werden. Die Brüder versuchen, ihre ursprüngliche Körper wieder zu erhalten, treten als Alchemisten in den Staatsdienst und kommen einer ungeheuren Verschwörung auf die Spur. 

Produktionen des Studio Ghibli:  

Gleich eine ganze Reihe von Werken des weltberühmten Drehbuchautors und Regisseurs Hayao Miyazaki haben offensichtliche Verbindungen zu Europa: Im Anime „Kikis kleiner Lieferservice“ von 1989 beginnt die junge 13-jährige Hexe Kiki ein neues Leben in einer ihr fremden Stadt und liefert mit ihrem Besen Pakete aus. Die Dächer und Fenster der Häuser in dem Streifen gleichen dem europäischen Handwerksstil. Die Stadt Koriko ist den Städten Stockholm und Visby nachempfunden. Miyazakis Team war zur eigenen Inspiration extra nach Schweden geflogen und integrierte am Ende sogar echte Straßennamen in den Film. 

1992 veröffentlichte das Studio Ghibli mit "Porco Rosso" einen weiteren Kassenschlager mit europäischem Setting. Der gleichnamige schweinsköpfige Flugzeugpilot ist hier als Kopfgeldjäger auf der Suche nach fliegenden Piraten zwar vor allem in der Luft unterwegs, allerdings spielt die Geschichte im faschistischen Italien Ende der 1920er-Jahre. Als prominente Stadt findet etwa Mailand Erwähnung. Zudem handelt es sich bei Porco Rossos Versteck um die kroatische Meeresbucht Stivina. 

Damit nicht genug an europäischen Schauplätzen in Ghibli-Streifen: 12 Jahre später erschien die Miyazaki-Produktion "Das wandelnde Schloss". Die Geschichte um die junge Hutmacherin Sophie, die von der bösen Hexe aus dem Niemandsland aus Eifersucht in eine alte Frau verwandelt wird und nach einem Weg sucht, die Verwandlung rückgängig zu machen, spielt inmitten eines Krieges, der stark an den Ersten Weltkrieg erinnert. Schauplätze sind nicht real existierende, dichtbesiedelte Städte Europas, die jedoch der französischen Gemeinde Colmar nachempfunden sind, zu der Miyazakis Team ebenfalls reiste. Die Menschen hier tragen im Film Kleidung aus dem 19. und 20. Jahrhundert und auch die Häuser und Verkehrsmittel stammen aus dieser Zeit.  

One Piece 

Die Strohhutbande um Monkey D. Ruffy, die sich der japanische Mangaka Eiichiro Oda ausgedacht hat, kommt seit 1999 durch ihre Suche nach dem ominösen Schatz "One Piece" weit in der Welt herum. Klar, dass einige Orte, auf die sie stößt, auch einen europäischen Touch haben. So spielen die bunten Kleidungsstücke der Bewohner in der Stadt Acacia auf der Insel Dress Rosa auf die spanische Kultur an.  

Die Stadt Loguetown ist der italienischen Stadt Florenz nachempfunden, was sich vor allem an der Nachbildung des Florentiner Doms zeigt. Die Kanäle und der Baustil der Stadt Water Seven erinnern an Venedig, des Weiteren hat es auch das bayerische Schloss Neuschwanstein in Form des Königsschlosses von Drumm in winterlichem Ambiente in den Anime geschafft. Darüber hinaus scheint sich Oda bei der Zeichnung des Hauptsitzes der Weltregierung Mary Joa das französische Schloss Chambord zum Vorbild genommen zu haben.