"Ihr wollt meinen Schatz, sucht ihn doch ...!" - mit nur einem Satz verwandelt der gefangene Piratenkönig Gol D. Roger bei seiner Hinrichtung seinen Tod in seinen größten Triumph. Denn dieser Satz löst das große Zeitalter der Piraten aus. Und mit ihm beginnt die weltweit irrsinnig erfolgreiche Manga-Reihe "One Piece" von Eiichiro Oda. Im Juni 2015, 12 Jahre nach seinem ersten Erscheinen wurde das Manga ins Guinness-Buch der Rekorde als best verkaufte Comicserie eines einzelnen Autors aufgenommen, über 320 Millionen Exemplare in über 30 Ländern gab es damals schon. Zusammen mit "Dragon Ball" und "Naruto" bildet es die "Großen Drei" auf dem japanischen Manga- und Animemarkt.

Junges Manga versus Classic Comics

Im Herbst 2016, also ein gutes Jahr nach dem Weltrekord stieß die "One Piece" "Spider-Man", eine der größten westlichen Comic-Serien vom Thron und ist seither die sich am drittbesten verkaufende Comic- oder Mangaserie der Welt. 430 Millionen mal hatte sich One Piece bis dahin verkauft und allein bis Mitte Mai 2018 gingen weitere 10 Millionen Exemplare über den Verkaufstisch. Damit rückt das Manga "One Piece" an die Serie "Batman" heran, die sich mit 460 Millionen Exemplaren auf Platz 2 der meistverkauften Comics hält.

Als Endgegner würde danach "Superman" mit über 600 Millionen Exemplaren warten. Der Erfolg ist umso beeindruckender als dass die aktuellen Konkurrenten schon um einiges länger auf dem Markt sind: Der geschlagenen Spider-Man schon seit den 60er Jahren, der anvisierte Batman seit 1939. Die Abenteuer von Ruffy und seiner Strohhutpiratenbande in "One Piece" erscheinen immerhin erst seit 1997 zunächst als Einzelfolgen der Manga-Zeitschrift Shounen Jump.

Vom One Shot "Romance Dawn" zum Manga "One Piece"

Was für ein mächtiger Satz also, mit dem Autor Eiichrio Oda seine Welt der Piraten einführt, die Welt seiner Helden, der Strohutpiratenbande Ruffy, Zorro, Nami, Sanji, Lysopp, Chooper, Robin, Franky und Brook. Oda, Jahrgang 1975 war damals gerade 22 Jahre alt. Zum Zeichnen hatte er schon als Jugendlicher gefunden: Aufgewachsen in der ländlichen Präfektur Kumamoto verbrachte er seien Freizeit mit Fußballspielen (angeregt durch die Anime-Serie "Captain Tsubasa Super Kickers") und dem Kritzeln. Zur großen Inspiration wurde ihm die Manga-Serie "Dragonball", von dessen Autor Akira Toriyama er bis heute mit großer Ehrerbietung spricht.

Mit 17 Jahren sandte er eine seiner Arbeiten für den vom Shueisha-Verlag ausgerichteten Tezuka-Preis ein und gewann. Dies brachte ihm seinen ersten Job in der Manga-Welt ein, als Assistenz bei Shueisha für verschiedenen Serien, darunter der prestigeträchtigen "Rurouni Kenshin"-Reihe. 1996 konnte er eine erste Arbeit in einem der größten Medien für Manga in Japan, der Zeitschrift "Weekly Shounen Jump", veröffentlichen: "Romance Dawn".

Das Ende von One Piece

In "Romance Dawn" treffen wir einen Piraten namens Ruffy, der nicht aufs Rauben und Plündern aus ist, sondern darauf, Abenteuer zu erleben. Dessen größter Schatz ist ein Strohhut, den er einst von seinem Vorbild, dem roten Shanks geschenkt bekam. Außerdem, so stellt sich heraus, ist er ein super starker Gummimensch. Klingt bekannt? Ja, hier hat das Manga "One Piece" seine Wurzeln. „Romance Dawn“ kam so gut an, dass Oda darauf basierend eine eigene Serie entwickelt durfte.

Fast zeitgleich mit einem weiteren der drei großen Manga-Serien, mit "Naruto" startete "One Piece" am 19. Juli 1997. Auf fünf Jahre war die Serie zunächst ausgelegt, doch auch nach 20 Jahren ist kein Ende des Erfolgs in Sicht. Wenn jemand diese Serie beendet, dann wohl nur der Autor selbst. Tatsächlich hat der als Arbeitstier bekannte Oda das Ende schon konzipiert und wohl Pläne, das Manga abzuschließen, um sich mal ausruhen zu können. Über den genauen Zeitplan schweigen sich aber sowohl er als auch sein Verlag aus. 

Seit 2001 bringt der "Carlsen Comics"-Verlag die Manga-Serie in Deutschland heraus. Die 891 Einzelkapitel sind so in bisher 85 Bänden erschienen. Hinzu kommen die fünf Sonderbände Blue, Red, Yellow, Green und Blue Deep, in denen Eiichiro Oda Hintergrundinformationen zur One-Piece-Welt preisgibt.

One Piece als Anime-Serie und Anime-Filme

Ein Jahr nach dem Start des Manga flimmerte das erste Mal "One Piece" über die japanischen Fernsehschirme: Eine (außerhalb Japans nicht verfügbare) Sonderepisode feierte den 30-jährigen Geburtstag des Animationsstudios Toei und testete gleichzeitig, wie erfolgversprechend "One Piece" als Anime sein könnte.

Der Test lief offenbar erfolgreich, denn seither wird die Serie von Toei Animation adaptiert. Am 20. Oktober 1999 feierte der Anime One Piece Premiere auf Fuji Television. Über 800 Folgen sind es seither geworden. Zwölf Kinofilme (13, zählt man den Kurzfilm "Mugiwara Chase" mit) kamen seit dem Jahr 2000 hinzu und begeisterten die japanischen Fans auch über die große Leinwand.

One Piece auf Deutsch

Wenige Jahre nach Fernsehstart in Japan segelte das Anime One Piece in die große Welt hinaus. In Deutschland lief die Serie ab 2003 im deutschen Fernsehen, zunächst auf RTLII, 2008 dann auf Tele 5. Seit dem Programmstart von ProSieben MAXX 2013 ist One Piece mit einer kurzen Unterbrechung fester Bestandteil des Animenachmittagsprogramms Anime Action. Auf ProSieben MAXX konnten die Fans so bewegende Arcs wie "Marineford" oder die Abenteuer auf "Punk Hazard" zum ersten Mal im deutschen Fernsehen und noch dazu ungeschnitten ansehen.  Auch alle One-Piece-Filme liefen bereits auf ProSieben MAXX. 

Seit der ersten Folge spricht Daniel Schlauch Monkey D. Ruffy. Ebenfalls von Anfang an dabei sind Stephanie Keller als Nami, Dirk Meyer als Lysopp, Hubertus von Lerchenfeld als Sanji und Simone Brahmann als Nico Robin. Als einziger bei den langjährigen Rollen wechselte der Sprecher bei Lorenor Zorro: Die ersten 400 Folgen sprach ihn Philipp Brammer, seither leiht Uwe Thomsen dem Schwertkämpfer seine Stimme. Die später hinzugekommenen Crewmitglieder Brook und Franky werden von benedikt Gutjahn und Frank Engelhardt gesprochen, Schiffsarzt Chopper bekam seine Stimme zunächst von Florian Halm. Ab Folge 263 übernahm sein Bruder Martin Halm die Rolle. Zu Anfangs wurden zu den Openings-Songs deutsche Versionen komponiert, seit Folge 401 laufen die japanischen Original-Openings, sofern sie im Ausland lizenziert werden konnten. Manche Openings Songs wie beispielsweise "Hands Up" mussten übersprungen werden.

One Piece Games

Die Strohhutpiraten haben schon lange weitere Medien besucht. Merchandise aller Art gibt es zur Manga-Serie, in der Bucht von Tokyo schippert sogar ein Nachbau ihres ersten Schiffs, der "Going Merry" ("Flying Lamb" in der deutschen Version) herum. Klar, dass es auch Gamer mit ihnen zahlreiche Abenteuer erleben können. Den Anfang machte 2001 die bisher vierteilige "Grand Battle"-Serie auf der Play Station. Große Erfolge hatte 2016 "Burning Blood", das für Play Station 4, Xbox One, PS Vita und PC erhältlich ist. Gespannt warten die Fans auf den Winter 2018, in dem "One Piece: World Seeker" erscheinen soll, einem Spiel, das ein "Open World"-Konzept zum Teil verwirklichen soll. Die Spieler sollen so auf eigene Faust die bunten Inseln der "One Piece"-Welt erforschen können. Ein Ende der Abenteuer ist also nicht in Sicht.

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