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Der Reiz des Mittelalter-Rocks liegt ja häufig darin, dass man den wilden Spirit der Vergangenheit in die Jetztzeit holt – und ganz nebenbei feststellt, dass sich dabei erstaunliche Parallelen auftun. Es ist zum Beispiel kein Zufall, dass dieses Album „Die Tanzwut kehrt zurück“ heißt, obwohl die Band ja gar nicht so wirklich weg war. Oder zumindest: Nicht mehr weg, als man es in diesen Zeiten ohne Konzerte ja leider sein muss. Aber Gründungsmitglied, Sänger, Dudelsack- und Trumscheitspieler Teufel nimmt mit diesem Titel und dem Song gleichen Namens auf clevere Weise Bezug auf die Gegenwart. Denn das Wort „Tanzwut“ bezeichnet eine besondere Erkrankung oder vielmehr eine im 14. und 15. Jahrhundert zuerst aufgetretene epidemische Erscheinung, die als psychogenes und massenhysterisches Phänomen beschrieben wurde. Ein weit verbreiteter, aber leider nicht wasserfest historisch belegter Mythos über die Tanzwut sieht eine direkte Verbindung zwischen den großen Pestepidemien und vermehrten Ausbrüchen der Tanzwut. Verkürzt gesagt, geht die These so: Kaum zog der Schwarze Tod weiter, drehten die Leute durch, drängten auf die Feste und tanzten sich die Seele und die Leiden aus dem Leib. Das prognostizieren Teufel und seine Mannen auch für das Ende dieser Pandemie. Und nach langen Lockdown-Wochen ohne Live-Musik fühlt man Zeilen wie diese deshalb besonders intensiv: „Tanz mit uns, die Seele brennt / Und zerreiß' dein Testament / Trink mit uns vom besten Wein / Die Tanzwut wird dein Schicksal sein.“

Man hört dem Lied „Bis zum Meer“ deutlich an, dass es die Band wieder auf die Bühnen drängt. Wenn alles gut geht, werden sie im Herbst mit zu den ersten Acts zählen, die in den Clubs wieder für Schweiß treibende Veitstänze sorgen können. Diese Energie ist es auch, die das gesamte Album befeuert. Alles drängt nach vorne, sucht die große Hymne, den wilden Tanz mit ihrem Publikum. Mal eher mit Fokus auf die Sounds aus dem Mittelalter, mal mit massiven Gitarren. Wie im Falle von „Bis zum Meer“. Der Anfang und die Nachbeben des Refrains werden von einem fetten Gitarrenbrett samt Dudelsack-Melodie getragen, während Teufel die Ruhelosigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit in eine schöne Metapher kleidet: „Das Schicksal, das Leben, treibt mit uns ein Spiel / Wir sind auf der Reise ohne Sinn, ohne Ziel / Ich hab' Heimweh, die Sehnsucht so schwer / Denn alle Flüsse fließen ins Meer.“

Für ihren Song "Pack" holten Tanzwut sich zusätzlich Saltatio Mortis an Bord. Denn wie der Titel schon verrät, geht es um den Zusammenhalt in einer Gruppe und der Stärke, die nötig ist, um gemeinsam Hindernisse und harte Zeiten zu überwinden. Genau dies ist in den Zeilen im Refrains bestens zusammengefasst: "Pack schlägt sich / Pack verträgt sich / Das Herz am rechten Fleck / Ein Leben voller Träume / Nimmt uns keiner weg".

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