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Die Musik von il Civetto passt nicht in eine Schublade: ihr verrückter, internationaler, auf Genres und Grenzen pfeifender Sound changiert irgendwo zwischen Folk, Jazz, Dancehall, Pop, Balkanmusik, Ska und Swing. Im Grunde ist er ein Amalgam von allen Einflüssen, die man als Band, die lange Zeit auf Berliner Straßen gespielt hat, so aufsaugen kann. Seit den ersten, heute in manchen Kreisen geradezu verklärten Guerilla-Gigs von il Civetto ist allerdings eine Menge passiert: Seit Bandgründung im Jahr 2010 haben die waschechten, aber viel reisenden Berliner zwei Alben und einige EPs veröffentlicht, über 400 Konzerte gespielt und seit diesem Sommer ihr drittes Album „Späti del Sol“ draußen. Das wurde mit dem Produzenten Tim Tautorat aufgenommen, der auch für AnnenMayKantereit, Faber und Provinz an den Reglern saß. Auf dem Album sind im letzten Stück „Andere Welt“ auch il Civettos Freunde von Bukahara zu hören. Dieser Song wird nun als Single veröffentlicht – und irgendwie muss man dazu sagen: Das Timing ist leider perfekt.

„Andere Welt“ hat zwar auch (noch) einen Funken Hoffnung, trifft den apokalyptischen Vibe der Jetztzeit aber schmerzhaft genau. Und es scheint ja nun wirklich nicht besser zu werden: Nach Moria kam der Ukraine-Krieg, kamen Waldbrände, kamen Hitzewellen, die dafür sorgten, dass in Spanien tausende Vögel mit Hitzeschlag tot vom Himmel fielen. Leon Keiditsch (Gesang), Lars Löffler-Oppermann (Klarinette, Saxophon, Keys), Leon Bollinger (Schlagzeug, Percussion), Dany Ahmed (Bass) und Robert Kondorosi (Gitarre) hätten trotzdem gerne drauf verzichtet, dass man il Civetto für „Andere Welt“ „gutes Timing“ attestiert. Der Song ist vielmehr ein Appell an ihre Fans und an sich selbst, bei all dem Mist nicht die Hoffnung zu verlieren. Und der Versuch, die Erkenntnis zu vermitteln, dass man gemeinsam noch immer etwas bewegen kann. Il Civetto selbst sagen dazu: „Zwischen Klimakatastrophe und Krieg, zwischen Dispo und Karriere-Hamsterrad schauen wir zu, wie unsere Welt langsam zerfällt. Zusammen mit unseren langjährigen Freunden von Bukahara haben wir den Song ‚Andere Welt‘ geschrieben, der davon handelt, nicht die Hoffnung zu verlieren – aber auch auf die Straße zu gehen und die Welt zu verändern.“

In „Andere Welt“ heißt es zu Beginn: „Die Zukunft kommt / Die Krise bleibt / Und alle sind / Für sich allein / Der Nordpol schmilzt / In Moria schneits / Fühlt sich so an, als wär es bald vorbei.“ Aber dann kriegen die beiden Band doch noch die Kurve in Richtung kämpferischer Hoffnung, wenn sie singen: „Wir ziehen um die Häuser und verbrennen euer Geld / Und wir träumen, ja, wir träumen von 'ner anderen Welt / Dann stell ich mir vor / Du schläfst heute bei mir / Die Banken sind bankrott / Und mein Fahrrad repariert / Wir ziehen um die Häuser und verbrennen euer Geld / Und wir träumen, ja, wir träumen von 'ner anderen Welt.“ Und das ist immer noch am Schönsten, wenn man es gemeinsam tut.

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