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Yoann Lemoine als Musiker zu bezeichnen ist eine Untertreibung par excellence. Oder sagen wir es so: Es ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn der Franzose, der zuerst unter dem Moniker Woodkid vor nun mehr sieben Jahre für Staunen sorgte, ist zugleich Produzent, Grafikdesigner, Künstler und vor allem: Regisseur. Schon sein Durchbruch mit „Run Boy Run“ gelang zwar auch wegen der wuchtigen, dramatischen, klanggewaltigen Musik – großen Anteil hatte aber auch der Videoclip, der mit seinen fantasievollen Monstern und einem kleinen Jungen als Helden eher wie der Trailer zum neuesten Disney-Kino-Spektakel wirkte. Auch beim vielleicht erfolgreichsten Musikvideo der letzten zehn Jahre – der im Original 24 Stunden dauernde Clip zu Pharrell Williams‘ „Happy“ ­– hatte Lemoine seine Finger im Spiel: Er war der Creative Director der Unternehmung.

Mit dem Wissen wundert es nicht, dass Woodkid für den ersten Song aus dem brandneuen Album „S16“ wieder zum ganz großen Schlag ausholt. Das Video zu „Goliath“ beginnt fast dokumentarisch in einem Braunkohletagebau – und endet mit einem riesigen Titanen, der sich aus der Erde erhebt und um sich schlägt. Dabei stellt Woodkid sich und uns die Frage: Wer ist hier eigentlich das Monster? Der Riese, der sich aus der geschundenen Erde erhebt? Oder der Mensch, der die Erde mit diesen riesigen Maschinen zernagt? Maschinen, die übrigens vom Bautyp „Goliath“ sind. Kein Zufall, wie Woodkid uns im Interview erklärte: „‚Goliath‘ ist für mich nicht bloß eine biblische Figur, die für einen übergroßen Feind steht, den es zu bekämpfen gilt. Als ich diese riesigen Braunkohle-Bagger filmte, die übrigens vom Bau-Typ ‚Goliath‘ sind, lief es mir kalt den Rücken runter. Einerseits dachte ich: Wie kann die Menschheit bloß so eine monströse Maschine bauen, die der Umwelt einen dermaßen großen Schaden zufügt? Und gleichzeitig wurde ich ehrfürchtig vor der schieren technischen Leistung und Ingenieurskunst, zu der die Menschheit fähig ist.“

Diese Ambivalenz ist so etwas wie der rote Faden seines zweiten Albums „S16“, das am 16. Oktober erscheint. In den elf Songs, die ihn wieder einmal als dramatisch genialen Sänger und Komponisten zeigen, geht es um Dinge, die ihn zugleich faszinieren und abschrecken. Es geht um Sexualität, toxische Männlichkeit, das Gift und den Reiz von politischen Extremen. Woodkid meint dazu: „Wenn du erst einmal zugibst, dass du in gleichem Maß verängstigt wie auch fasziniert von einer Sache bist, weißt du, dass du es mit einem sehr komplexen Problem zu tun hast und es einen langen Prozess und einen Austausch braucht, um etwas zu finden, was es besser macht oder gar löst. Und selbst wenn deine Intentionen gut sind, gilt es, die eigenen negativen Tendenzen, die jeder in uns trägt, im Blick und in der Balance zu halten.“